| Während der AdB-Jahrestagung vom 6. bis 7. Dezember 2011 im Bielefelder Haus Neuland gingen die Teilnehmer/-innen der Frage nach, welchen Beitrag die politische Bildung zur Gestaltung einer nachhaltigen Klima- und Energiepolitik leisten kann. Um einen Überblick über die Interessenlagen in diesem Politikfeld zu geben, hatte der AdB zwei Wissenschaftler eingeladen: Dr. Stefan Thomas vom Wuppertal Institut stellte die Ziele der nationalen Energiepolitik dar und ging auf die globalen Rahmenbedingungen sowie die Entwicklungen in Wirtschaft und industrieller Produktion ein. Bürger/-innenproteste und -initiativen gegen die Zumutungen der Politik standen im Fokus des Vortrages von Prof. Dr. Roland Roth von der Hochschule Magdeburg-Stendal. In seinem Referat erläuterte er auch die Bedingungen für die Beteiligung an Planungsprozessen für Infrastrukturprojekte. Im Anschluss daran diskutierten beide Referenten mit Rasmus Grobe von der Bewegungsakademie Verden und Stephan Liening vom Bundesministerium für Bildung und Forschung über Formen der Beteiligungsformen und ihre Einflussmöglichkeiten. Am zweiten Veranstaltungstag bekamen die Teilnehmenden Gelegenheit, das Thema in drei Workshops zu vertiefen. Den Input für die Arbeitsgruppe zu „Klimapolitischen Herausforderungen für die politische Bildung“ gab Stefan Rostock von der Klimainitiative Germanwatch. Dabei wurde deutlich, dass sich die Initiative neben Arbeitsfeldern wie Unternehmensverantwortung, Ernährungssicherung und Welthandel oder der Finanzierung veränderter Klimapolitik auch in der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) engagiert. Die Arbeitsgruppe stellte fest, dass der Klimawandel kaum in der Gesellschaft wahrgenommen werde, da diesbezügliche Schäden bisher selten bei uns zu spüren seien. Die politische Bildung stehe vor der Herausforderung, dass der Veränderungswille innerhalb der gesellschaftlichen Institutionen noch nicht ausreichend stark ausgeprägt sei und der individuelle Beitrag zum Klimawandel für viele Menschen marginal erscheine. Vor dem Hintergrund dieser Situationsanalyse erarbeiteten die Workshopteilnehmer/-innen Zugänge und Vermittlungsmöglichkeiten für die politische Bildung: Satellitenbilder im zeitlichen Vergleich oder Kurzfilme (z. B. „Klimagericht“) eigneten sich zur Veranschaulichung der Klimaveränderungen. Daneben böten Rollenspiele (z. B. das Nachstellen der Klimakonferenz) eine Möglichkeit der Auseinandersetzung. Insgesamt müsse die Klimafrage nicht nur für sich behandelt werden, sondern könne auch in andere Themen verpackt werden (z. B. Zukunftswerkstätten, Globalisierung oder Menschenrechte). Dem Prinzip Nachhaltigkeit und seiner Bedeutung für die politische Bildung widmete sich der zweite Workshop, in dem Dr. Friedrun Erben von der Evangelischen Trägergruppe für gesellschaftspolitische Jugendbildung den thematischen Einstieg lieferte. Sie gab eine Übersicht über die Genese des Lernfelds Bildung für nachhaltige Entwicklung, um darauf aufbauend politische Bildung darin zu verorten. Die in der BNE herausgearbeiteten Gestaltungskompetenzen erleichtern dabei den Brückenschlag zum Feld politischer Bildung erheblich. Darauf aufbauend dachten die Teilnehmer/-innen des Workshops über Anknüpfungsmöglichkeiten für die politische Bildungsarbeit nach. Sie waren sich einig, dass Bildungsstätten über zahlreiche Ressourcen und Methoden verfügen, die stärker auch für BNE genutzt werden könnten. Im AdB selbst sollte BNE stärker in die Arbeit der Kommissionen, der Geschäftsstelle aber auch der Jugendbildungsreferent/-innen einfließen. Wie eine Reduzierung des Energieverbrauchs in Bildungsstätten erreicht werden kann, erläuterte Dr. Thomas Südbeck von der Historisch-Ökologischen Bildungs-stätte Papenburg in einem weiteren Workshop. Er empfahl, das Ziel der Energie-effizienz im Leitbild festzuschreiben und mit Bildungsangeboten in Verbindung zu bringen. Grundlage aller Anstrengungen sei ein fundiertes Energie-Gutachten, auf dessen Grundlage eine ganzheitliche Umsetzung erfolgen könne. Technisch ausgereifte Lösungen seien Innovationen vorzuziehen, zumal hier der Weg das Ziel sei: Energieeffizienz müsse als kontinuierlicher Prozess begriffen werden, für den permanent finanzielle Rücklagen zu bilden seien, der sich aber auch relativ schnell rechne. Die Teilnehmenden werteten eine Verknüpfung technischer Herausforderungen mit entsprechenden Bildungsangeboten wie bei der HÖB als sinnvolles Gesamtkonzept einer Bildungsstätte. Für kurzweilige Unterhaltung sorgte das Rahmenprogramm am Abend des ersten Veranstaltungstages mit Kabarett aus Ostwestfalen sowie kulinarischen Kostproben aus der westfälischen Küche. |