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1989 als Ressource für die politische Bildung
Im Rahmen des Geschichtsforums 1989/2009, das am 28. - 30. Mai 2009 in Berlin stattfand, hat der Arbeitskreis deutscher Bildungsstätten (AdB) in Zusammenarbeit mit DARE zwei Fachsektionen zum Thema „1989 als Ressource für die politische Bildung“ veranstaltet.
Die Panels waren mit insgesamt 50 Teilnehmern gut besucht. Inhaltlich ging es um die Frage, welche Rolle 1989 als Bezugspunkt für die Arbeit politischer Bildung im europäischen Kontext spielen kann.

Im ersten Panel unternahmen Ina Bielenberg (AdB), Prof. Dr. Bodo von Borries und Prof. Dr. Eckhart Stratenschulte eine Bestandsaufnahme aus der Sicht der deutschen Geschichts- und Politikwissenschaft. Stratenschulte vertrat die Auffassung, dass 1989 nur dann zu einem gesamteuropäischen Bezugspunkt werden kann, wenn es gelingt, die Ereignisse um 1989 in die Historiographie der europäischen Freiheitsbewegung einzuordnen. Von Borries äußerte dagegen, dass genau dies die Gefahr einer Verengung in sich birgt: Durch die Einordnung in eine genuine Erfolgsgeschichte, würden die negativen Aspekte der Wende, die das Erfahrungsgut der „Betroffenen“ sind, unter den Tisch gekehrt (Sozialabbau, Arbeitsplatzverlust etc.). Dies untermauerte Bodo von Borries anschaulich durch eine Reflektion über 1989 als ereignisgeschichtlichen Bezugspunkt in den nationalen Kontexten verschiedener europäischer Länder und darüber hinaus.

Dagmar Kusa (Euroclio - das europäische Netzwerk der Geschichtsbildner/-innen) und Georg Pirker (AdB) führten in die zweite Fachsektion ein, indem sie Beispiele multiperspektivischer Geschichtsdidaktik beleuchteten. Georg Pirker verwies in diesem Zusammenhang auf die wichtige Rolle von non-formalen Bildungssettings in der historisch-politischen Bildungsarbeit, da gerade diese vielfältige Möglichkeiten eröffnen, individuelle Erfahrungen zu reflektieren.
Die Praxisbeispiele politischer Bildungsarbeit aus 4 europäischen Kontexten belegten beide im ersten Panel vertretenen Thesen.

Alena Begant (EIP Slowenien) zeigte am Beispiel von Bildungscurricula in Slowenien (Schul- und Erwachsenenbildung), dass 1989, ein wichtiger Bezugspunkt auch für die Entwicklung in Slowenien, bislang jedoch in der dortigen Bildungsarbeit nicht vorkommt und machte auf die heraufziehende Schieflage auf diesem Gebiet aufmerksam.

Wilhelmina Welsch und Marta Kozlowska (Humanity in Action/PL) stellten ein 1989-Wende Simulationsspiel für Jugendliche vor, das in die psychologischen Entscheidungsdilemmata der am Runden Tisch beteiligten Gruppen einführt. Es geht hierbei dezidiert um die Generation, die die Wende nur noch als historisches Bezugsdatum kennt.

Dana Jirous und Daniila Cenan (Owen e.V.) stellten Beispiele biografieorientierter Bildungsarbeit im Kaukasus vor. Fußend auf der These, dass es das familiäre Narrativ ist, das Einstellungen und Wertorientierungen und dementsprechend individuelle Handlungspräferenzen maßgeblich beeinflusst, hat Owen im Kaukasus seit Mitte der 90er Jahre biografieorientierte Konfliktbewältigungsarbeit geleistet.

Andrej Muraru und Corina Leca (Institut für die Untersuchung kommunistischer Verbrechen in Rumänien) stellten das erste rumänische Textbuch zum Kommunismus vor. Die Autoren haben eine Herangehensweise gewählt, die Quellen für sich sprechen zu lassen, um so eine objektive Darstellung zu erzielen. Im Vortrag verwiesen sie auf die positive Resonanz von Seiten der Studierenden, machten aber auch deutlich, dass es vor allem von Seiten der Lehrenden eine große Befangenheit gibt, die Thematik überhaupt im Unterricht zu behandeln. Die eigene Biografie ist häufig zu unmittelbar betroffen und in Frage gestellt.

Die Veranstaltungsform mit 2 Panels zu jeweils 90 Minuten kann natürlich nur einen Auftakt für eine intensivere Beschäftigung mit der Thematik liefern. Dennoch boten die kurzen Vorträge genügend Raum, um einen kurzen Überblick über die Entwicklung der historisch-politischen Bildung zu bekommen und einige Praxisbeispiele der Wirkungs- und Handlungsfelder aus der historisch-politischen Bildungsarbeit im europäischen Kontext genauer zu betrachten.






Arbeitskreis deutscher Bildungsstätten e.V. - Unabhängige Institutionen für politische Bildung und Jugendarbeit